Die Bayreuther Festspiele feiern ihr 150-jähriges Bestehen. In seinem Buch „Wagners Welttheater – Die Geschichte der Bayreuther Festspiele zwischen Kunst und Politik“ gibt unser Mitglied Dr. Bernd Buchner einen fundierten Überblick über die Festspielgeschichte. Er schildert Bayreuth als einzigartiges Phänomen: Richard Wagner baute sich ein Opernhaus, in dem nur seine eigenen Werke aufgeführt werden, das Unternehmen wird bis heute von der Komponistenfamilie geführt.
„Hier gilt’s der Kunst“, lautet das berühmte ‚Meistersinger‘-Motto – doch die Politik spielt auf dem Grünen Hügel eine tragende Rolle. Kaum weniger bedeutsam sind religiöse und gesellschaftliche Verflechtungen. Bayreuth war ein völkischer Sammelpunkt und später „Hitlers Hoftheater“. Doch gelang in der Adenauerzeit die vermeintlich unpolitische Wiedergründung, und nach dem Ende des Kalten Krieges wurden die Festspiele zum Symbol für „Deutschland einig Wagnerland“.
In „Wagners Welttheater“ wird erstmals die politisch-gesellschaftliche Seite der Festspiele nachgezeichnet. Bayreuth ist ein Spiegel der deutschen Geschichte. Glanz und Gloria, Verirrung und Katastrophe: Der Grüne Hügel war stets eine Probebühne für das Land. Und in den Bayreuther Repräsentanten vereinigen sich künstlerische Querköpfigkeit und politische Anpassungsfähigkeit. Ein besonderer Blick auf die lange Ära von Wagnerenkel Wolfgang wird das verdeutlichen.
Bernd Buchner, Dr. phil., geb. 1968 in Kulmbach, Studium der Geschichte, Journalistik, Anglistik und Theologie in Gießen und Bordeaux, Promotion bei Prof. Dr. Helmut Berding (Gießen) über die nationale Symbolik in der Weimarer Republik, berufliche Tätigkeiten beim Nordbayerischen Kurier in Bayreuth sowie verschiedenen kirchlichen Medien, gegenwärtig Redakteur beim Heinrichsblatt in Bamberg. Zahlreiche Forschungen zu zeitgeschichtlichen, musikhistorischen und theologischen Themen. Das Buch „Wagners Welttheater“ ist in einer erweiterten und aktualisierten Neufassung im Herbst 2025 bei Königshausen & Neumann (Würzburg) erschienen.
