Die Bayreuther Festspiele feiern ihr 150-jähriges Jubiläum. Von Anfang an war der Grüne Hügel ein Ort, an dem sich Kunst, Politik und Religion auf schillernde Art und Weise begegneten. Richard Wagner verwendete in fast jedem seiner Werke auch religiöse und christliche Motive, musste sich nach der Tannhäuser-Premiere gegen Vorwürfe des „Katholisierens“ verteidigen und legte später die Meistersinger von Nürnberg als Vorzeigeoper des protestantischen Bürgertums an.
Der Komponist selbst war formal evangelisch und war an theologischen Fragen stark interessiert, doch ein ernsthafter Christenglaube ist nicht erkennbar. In seiner letzten Oper Parsifal schuf Wagner ein Werk, das zentrale religiöse Motive in ihr Gegenteil verdreht. Das „Bühnenweihfestspiel“ muss als blasphemisch gelten, gerade weil es die weihevolle Atmosphäre christlicher Kirchlichkeit nachempfindet. Dies folgte dem Konzept einer „Kunstreligion“, die mit dem herkömmlichen Glauben wenig zu tun hat.
Wie stark also trägt die Bayreuther Hochkultur auch häretische Züge, wie stellen sich Kirche und Theologie dazu? Und welche Rolle spielt die völkische „Bayreuther Theologie“ beim Aufstieg des Nationalsozialismus? Auf diese Fragen wird unser Mitglied Dr. Bernd Buchner in seinem Vortrag ausführlich eingehen. Er behandelt darin auch aktuelle Tendenzen in Bayreuther Inszenierungen und fragt nach Perspektiven einer „Säkularisierung“ auf der Opernbühne.
Bernd Buchner, Dr. phil., geb. 1968 in Kulmbach, Studium der Geschichte, Journalistik, Anglistik und Theologie in Gießen und Bordeaux, Promotion bei Prof. Dr. Helmut Berding (Gießen) über die nationale Symbolik in der Weimarer Republik, berufliche Tätigkeiten beim Nordbayerischen Kurier in Bayreuth sowie verschiedenen kirchlichen Medien, gegenwärtig Redakteur beim Heinrichsblatt in Bamberg. Zahlreiche Forschungen zu zeitgeschichtlichen, musikhistorischen und theologischen Themen. Das Buch „Wagners Welttheater“ ist in einer erweiterten und aktualisierten Neufassung im Herbst 2025 bei Königshausen & Neumann (Würzburg) erschienen.
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